Interview mit Jamie Weiss

Jamie Weiss spielt in unserem Film "gender has no color" die Rolle der Marie. In unserem Interview erzählt Sie ihre Meinung zum Thema Genderklischees.

Interview mit Frau Bergolte

Frau Bergolte ist 32 Jahre alt und arbeitet als Sozialpädagogin in der Fachberatung für Kindertagespflege. Sie ist ehemalige stellvertretende Kitaleitung und Tagesmutter und hat viel Erfahrung damit, in wieweit Kinder mit dem Thema Genderklischees in Berührung kommen. In unserem Interview mit Frau Bergolte erzählt Sie von Ihren Erfahrungen und erläutert Ihre Meinung zu unserem Thema.

 Was hat sie an dem Berufsfeld Pädagogik interessiert?

 

Die Vielfältigkeit der Arbeit und die Arbeit mit den Menschen, insbesondere der unterschiedlichen Altersgruppen.

 

Wie wird das Thema Gender und Genderklischees im Sozialpädagogikstudium behandelt und besprochen? Welche Erkenntnisse gibt es in diesem Bereich?

 

Ich habe mein Studium im Zeitraum von 2008-2012 gemacht, zu dieser Zeit war das Thema nicht wirklich präsent.

 

Was halten Sie von Genderklischees bei der Entwicklung von Kindern? Was sind die schlimmsten Klischees, die Kindern beigebracht werden?

 

Ich finde Genderklischees nicht gut. Dass es generelle ‚Jungs Farben‘ und ‚Mädchen Farben‘ gibt. Jungs nicht mit Puppen und Mädchen nicht mit Autos spielen sollten. Schlimm finde ich, dass manche Eltern, ihren Kindern etwas was typisch fürs andere Geschlecht ist nicht kaufen. Gerade im Bereich, dass Jungs sich auch um Puppen/Babys kümmern sollten finde ich die Vielfalt wichtig, damit Jungs Verantwortungsbewusstsein entwickeln können.

 

Schadet es Kindern in Ihrer Entwicklung, wenn man beispielsweise Mädchen rosa und Jungen blau kleidet?

 

Nein es schadet nicht. Ich finde aber, dass man eine gesunde Mischung tragen sollte und, die Kinder, die Möglichkeit haben, sich die Kleidung und die Farben selbst aussuchen zu können. Der Kleiderschrank eines Kindes sollte alle Farben beinhalten. Jungs zum Beispiel sollte auch etwas rosanes Angeboten werden. Wenn er dann doch lieber etwas Blaues anziehen will, ist es seine eigene Entscheidung, ebenso wie wenn er etwas rosanes anziehen möchte.

 

Ist Ihnen in der Zeit als Tagesmutter aufgefallen, dass Kinder von Ihren Eltern in Genderklischees gedrückt werden? (z.B. Farbwahl von Kleidung etc.)

 

Ja. Eine Mutter hat ihrem Sohn im Kindergarten verboten in der Puppenecke zu spielen, weil „er ist kein Mädchen“.

Wir haben es dem Jungen aber trotzdem nicht verboten. Er durfte in der Ecke spielen und sich verkleiden. Wenn die Mutter ihn aber erwischt hat, hat er Ärger bekommen.

 

Auf welchem Stand sind Kinderbetreuungseinrichtungen im Umgang mit Genderklischees?

 

Es wird nichts explizite unternommen. Es gibt aber keine explizierten Regeln was ein Kind tragen darf oder nicht, oder womit ein Kind spielen darf. Jedes Kind hat die selben Möglichkeiten.

 

Fördern Kinderbücher solche Genderklischees? Gibt es dort einen Fortschritt?

 

Zum Teil ja. Gerade in älteren Büchern sind Genderklischees noch sehr vertreten. In neueren Kinderbüchern wird immer mehr drauf geachtet, dass auch mal ein Junge eine Puppe im Arm hält, Mädchen mit Autos spielen und die Kleidung nicht zu eindeutig ein Klischee wiedergibt.

Heutzutage gibt es immer mehr Bücher in die Klischeefreie Richtung, aber teilweise schon zu extrem in diese Richtung. Ein Beispiel ‚Raffi und sein pinkes Tütü‘. Wo es wirklich nur darum geht Klischees provokant aufzubrechen.  Solche Werte sollten normal und alltäglich dargestellt werden und nicht im Mittelpunkt stehen.

 

Wie stehen Eltern zu dem Thema? Gibt es Widerstände von der Seite der Eltern, wenn das Thema angesprochen wird?

 

Im Bezug zu der beschriebenen Situation in einer vorherigen Frage , haben wir mit der Mutter das Gespräch gesucht, diese hat sich aber in ihrer Ansicht nicht umstimmen lassen.

 

Bricht die Kita solche Genderklischees auf oder verstärkt sie womöglich?

 

Jedes Kind hat die gleichen Möglichkeiten egal ob Junge oder Mädchen.

 

Wie verhalten sich die Kinder untereinander, wenn beispielsweise ein Junge mit einem Einhorn spielt? Wird er ausgegrenzt oder ausgelacht? -> Falls ja, was kann man dagegen tun?

 

Es kommt schon vor. Oft passiert es, dass die Kinder, die ausgelacht werden, sich zurückziehen und schämen. Mit den anderen Kindern geht man dann ins Gespräch und gibt auch dem ausgelachten Kind ein gutes Gefühl, dass es in Ordnung ist, was er gemacht hat. Wenn die Kinder alt genug sind, jemanden dafür auszulachen, sind sie auch alt genug, um zu verstehen, wenn man mit ihnen über so ein Thema redet

 

Ein Beispiel war es, dass ein kleiner Junge gerne ein rosa T-Shirt getragen hat und die älteren Jungs haben ihn dafür ausgelacht.

 

Wird ein Bewusstsein geschaffen das Thema Genderklischees Tagesmüttern/Erzieher*innen näherzubringen und was könnte man den Eltern mitgeben?

 

Es werden mittlerweile Fortbildungen zu dem Thema Genderklischees angeboten. Gerade die ältere Generation ist in ihrer Meinung ziemlich festgefahren. Da hilft es wenn sie Fortbildungen besuchen und neue Sichtweisen kennenlernen.

Gerade bei Tagesmüttern ist es Pflicht, dass eine bestimmte Anzahl an Fortbildungen im Jahr besucht werden.

 

Helfen Genderklischees vielleicht bei der Erziehung/Entwicklung von Kindern?

 

Nein, das sind einfach Gewohnheiten, die über Generationen erzählt und beigebracht wurden. Kinder sollen selbstbewusste und selbstständige Mensch werden. Wenn man ihnen alles vorschreibt, was sie zu tragen, womit sie zu spielen haben und womit nicht, schränkt sie das in der Entwicklung dahingehend ein.